Vor wenigen Wochen ging das größte je in Deutschland gebaute Kreuzfahrtschiff, die „Celebrity Solstice“, vom Stapel der Meyer-Werft in Papenburg. Doch nicht nur die gigantischen Ausmaße des Luxusdampfers setzt neue Maßstäbe, sondern auch die aufsehenerregende Freizeitausstattung in Form eines natürlichen und bespielbaren Golfrasens von 1.500 m² auf dem höchsten Deck („The Lawn Club“) in 36 Meter Höhe.
Nach Aussagen des Schiffeigners ist diese Dachbegrünung oder besser benannt als „Deck-Begrünung“ die weltweit erste Begrünung eines Schiffes in dieser Art und Dimension. Celebrity Cruises vermarktet dieses grüne Idee als Attraktion für alle, die auch auf See echtes Gras unter den Füssen spüren möchten. Golf, Boccia, Krocket und Picknicks bringt noch mehr Abwechslung an Bord zwischen Florida und Bahama Islands.
Anforderungen an den „Dachbegrünungsaufbau“
Als die verantwortlichen Planer aus den USA vor etwa einem Jahr mit ihren Vorstellungen auf die Firma Green Roof Service mit ihren deutschen Inhabern Jörg Breuning und Peter Phillippi zu gingen, war noch völlig unklar, ob und wie die Wünsche des Bauherrn umzusetzen sind. Jörg Breuning nahm sich der Sache an und konnte dabei auf die eigene langjährige Erfahrung als Dachbegrüner in Deutschland und auf die Unterstützung der Anwendungstechnik der Optigrün international AG zurückgreifen. Die Anforderungen sind bei einer „Deckbegrünung“ zwar einer „Dachbegrünung“ sehr ähnlich, jedoch kommen weitere, erschwerende Bedingungen dazu.“ Und diese Anforderungen sahen in diesem Spezialfall folgendermaßen aus:
Dauerhaft funktionsfähiger und trittstabiler Schichtaufbau mit bespielbaren Golf-Rasen
Möglichst leichter und niedriger Aufbau
Funktionsfähigkeit bei unterschiedlichen Klima- und Witterungsbedingungen
Wechselndes Dachgefälle je nach Wetterlage von etwa 2 % bis zu 27 %
Toleranz der Gräser gegenüber Salzwasser, gut funktionierende Dränage und einem ausreichend durchlässigen Substrat.
Verwehsicherer Schichtaufbau
Konzept zur einfachen Pflege
Bewässerungskonzept
Neue Systemlösung Typ „Rasendeck“
In Anlehnung an bewährte Optigrün-Dachbegrünungssystemlösungen wurde die neue Systemlösung Typ „Rasendeck“ entwickelt. Grundlage ist der klassische mehrschichtige Aufbau mit einer Vegetationstragschicht und einer separaten Dränage.
Optigrün-Schutz- und Speichervlies Typ RMS
Optigrün-Festkörperdränage Typ FKD 40 spec
Optigrün-Filtervlies Typ 105
Optigrün-Rasensubstrat Typ „R extra leicht“
Geogitter
Fertigrasen „Golfgreen“ in Großrollen
Mit entscheidend für eine erfolgreiche und pflegeleichtere Begrünung ist das passende Bewässerungskonzept. Green Roof Service setzt dabei eine vollautomatische unterirdische Bewässerung, die mit einer automatischen Sprinklerbewässerung ergänzt wurde.
Einbau auf dem Schiffsdeck
Der Einbau der „Deckbegrünung“ wurde vom Optigrün-Partnerbetrieb Borchers aus Surwold auf dem Werftgelände der Firma Meyer durchgeführt. Die Bauleitung hatten dabei Bernhard Mescher (Fa. Borchers) und Jörg Breuning. Das komplette Material konnte vor Baubeginn angeliefert werden und wurde durch Meyer-Werft vor Ort koordiniert. Zwei Schwerlastkräne auf Schienen standen dabei rund um die Uhr zur Verfügung. Die Bauzeit betrug 14 Tage mit drei Unterbrechungen. Es waren bei der Schiffsbegrünung durchschnittlich fünf Arbeitskräfte im Einsatz. Das letzte Stück Fertigrasen wurde Anfang Oktober verlegt. Aufgrund seiner erdelosen Anlieferung wurzelte der Rasen sehr schnell ein und war schon zwei Wochen später zur ersten Ausfahrt fest mit dem Untergrund verwurzelt.
Auf hoher See – erste Tests, Pflege und Wartung
Die ersten Fahrten auf hoher See zeigten, dass sich die Mühen der Planung und des Einbaus gelohnt hatten. „Ich war sehr zufrieden, dass wir keinerlei Beschädigungen auf den Rasenflächen hatten. Selbst die Tests für Maximal Geschwindigkeit von über 26 Knoten, „Vollbremsungen“ und Schräglagen bis etwa 15° brachten den Rasen nicht aus dem Gleichgewicht“, kommentierte Jörg Breuning. Ein eigens angestellter Greenkeeper führt alle Pflegearbeiten aus. Im Putting-Green-Bereich ist geplant, die Schnitthöhe auf ca. 6-8 mm einzustellen. Die anderen Flächen werden auf 12-15 mm geschnitten. Zudem verlangt der Fertigrasen ein regelmäßiges „Topdressing“. Das heißt er muss besandet werden, um die Festigkeit, Ebenheit und Bespielbarkeit zu bekommen und zu halten. Der Sand muss dabei eine genau definierte Korngröße haben und gleichmäßig ausgebracht werden.
Zusammenfassung
„Geht nicht – gibt es nicht“. Auch in diesem Fall als das größte in Deutschland gebaute Kreuzfahrtschiff, die „Celebrity Solstice“, auf dem 36 Meter hohen und höchsten Deck Nr. 15 einen natürlichen Golfrasen bekommen sollte. Schiffseigner, Architekt und der für Begrünung zuständige Generalunternehmer kommen aus den USA, die Werft liegt in Deutschland, ebenso aus Deutschland kommen das Begrünungssystem und der ausführende Garten- und Landschaftsbaubetrieb. In Anlehnung an Dachbegrünungs-Systemlösungen wurde ein spezieller Begrünungsschichtaufbau entwickelt und verwirklicht. Dabei mussten eine Vielzahl an außergewöhnlichen Randbedingungen beachtet werden. Dieses besondere Projekt zeigt wieder einmal, dass bei der Begrünung von „Gebäuden“ keine oder nur wenig Grenzen gesetzt sind.
Autor
Dr. Gunter Mann
Optigrün international AG
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